Zukunft der internen Beratung? „Wir sind relevanter denn je.“
- lschatilow
- vor 3 Stunden
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Jahrestagung der Inhouse Beratung l 29. Juni 2026

Frankfurt am Main, 29. Juni 2026 — Wenn an einem Montagmorgen das Haus am Dom gut gefüllt ist, dann liegt etwas in der Luft. Genau diese Aufbruchstimmung prägte die Tagung “Interne Beratung quo vadis? Status Quo und Zukunft der internen Beratung“, zu der die The School of Change in die Mainmetropole eingeladen hatte. Von 9:30 bis 17 Uhr wurde diskutiert, geforscht, erzählt und vernetzt — und am Ende stand die Gewissheit: Die interne Beratung wird relevanter denn je.
Schon beim “Come together“ ab 9:30 Uhr summte der Saal. Kaffeetassen klirrten, alte Weggefährt*innen begrüßten sich, neue Kontakte entstanden. Was als lockerer Einstieg begann, sollte sich durch den gesamten Tag ziehen: das Gefühl, Teil einer Community zu sein, die ihr Feld gemeinsam nach vorne bringt.
Volles Haus, internationale Gäste
Das Interesse war überwältigend. Der Tagungssaal im Herzen Frankfurts, nur zehn Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt, füllte sich mit Gästen aus nahezu allen Branchen: aus Industrie und produzierendem Gewerbe, aus dem Gesundheits- und Sozialwesen, aus Verwaltung und öffentlichem Sektor, aus Versicherung, Logistik, Medien und Wissenschaft. Interne Berater*innen, Personal- und Organisationsentwickler*innen, Change-Manager*innen und Führungskräfte saßen Tisch an Tisch — und brachten genau jene Branchenvielfalt mit, die das Thema des Tages auch in der Forschung prägt.
Besonders schön: Die Tagung strahlte weit über Deutschland hinaus. Gäste aus Luxemburg und der Schweiz waren eigens angereist, um dabei zu sein. Diese internationale Resonanz unterstrich, was viele im Saal spürten — die Fragen rund um die Zukunft der internen Beratung sind länderübergreifend dieselben, und der Wunsch nach Austausch macht an keiner Grenze halt. Aus einem Fachtag wurde so ein kleiner europäischer Marktplatz der Ideen.

Die Studie “Interne Beratung quo vadis?“ — endlich belastbare Zahlen
Den inhaltlichen Auftakt nach der Begrüßung durch PD Dr. Falko von Ameln und Prof. Dr. Hanna Heinrich bildete ein interaktiver Einstieg, der das Publikum sofort einband. Anschließend stellten Falko von Ameln und Dr. Hans-Joachim Gergs die Ergebnisse ihrer neuen Studie vor — gemeinsam mit Hanna Heinrich verantwortet und im Rahmen der Gesellschaft für empirische Organisationsforschung (GfeO) entstanden. Ihr Anspruch: eine Forschungslücke schließen. Denn während es viele qualitative Arbeiten gibt, fehlten bislang großangelegte quantitative Daten zu Struktur und Wirksamkeit interner Beratungseinheiten. Mit 140 vollständig ausgewerteten Datensätzen aus internen Beratungen ganz unterschiedlicher Branchen und Größen liefert die Studie nun genau das.
Die zentralen Befunde sorgten für lebhaftes Nicken und manch nachdenkliche Miene:
· Hoher Veränderungsbedarf, branchenübergreifend: 97 % der Befragten sehen einen hohen Veränderungsbedarf in ihrer Organisation — auf einer 7-stufigen Skala ein Mittelwert von 6,2. Die Frage ist also längst nicht mehr ob, sondern wie verändert wird.
· Digitalisierung und KI als Taktgeber: Die stärkste positive Dynamik geht von Digitalisierung (+1,0) und Künstlicher Intelligenz (+0,9) aus, während Fachkräftemangel, Bürokratie, Sparzwänge und Wirtschaftskrise als größte Belastungen wahrgenommen werden.
· Eine Soll-Ist-Lücke in der Veränderungskultur: 54,5 % beschreiben ihre Organisation als abwartend, nur 17,4 % erleben eine systematisch-proaktive Veränderungskultur. Hier liegt sichtbar Potenzial — und damit ein Auftrag für die interne Beratung.
· Ein ermutigender Befund zum Erfolg: Im Schnitt wurden bei 57,5 % der Beratungsprozesse die Ziele vollständig oder überwiegend erreicht. Das oft zitierte Schlagwort, wonach 70 % aller Veränderungsprozesse scheitern, bestätigt die Studie ausdrücklich nicht.
· Das “Prophet im eigenen Land“-Phänomen: Interne Berater*innen schätzen sich selbst als hochkompetent ein (Mittelwert 5,9) — und doch wird externen Stimmen zuweilen eher Gehör geschenkt. Ein Spannungsfeld, das im Saal für viele Aha-Momente sorgte.
Falko von Ameln und Hans-Joachim Gergs ordneten die Zahlen mit sichtbarer Begeisterung ein — und machten deutlich: Die interne Beratung steht nicht am Rand, sondern mittendrin in der Transformation. Sie wird strategischer, businessnäher und zum gefragten Partner in Change-Prozessen. Genau das war die Botschaft, die den Saal trug.

Aus der Wissenschaft und Praxis für die Praxis
Was die Tagung so lebendig machte, war die Mischung aus Forschung und gelebter Praxis. Den Reigen der Impulse eröffnete Dr. Dirk Eichler vom Changemanagement der AUDI AG mit einem Vortrag über die Rolle des Change Managements in der Komplementärberatung — vom ersten Konzept bis zur “Change Montage“. Ein Bild, das hängen blieb: Veränderung als handwerkliche Präzisionsarbeit, Stück für Stück zusammengefügt. Direkt im Anschluss gab Cordula Dick aus dem Innovationsbüro der Stadt Köln einen offenen Einblick in die Beratungsarbeit im öffentlichen Sektor und zeigte, wie viel Bewegung in der Verwaltung möglich ist, wenn interne Beratung den Rücken stärkt. Deutlich wurde: Innovationseinheiten, wie Interne Beratung, sind Explorer. Sie treffen in der Regel auf „Exploit-Strukturen und -Kulturen“. Ohne die Rückendeckung der Geschäftsführung, haben sie es schwer.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen — auch dies eine wertvolle Bühne für Gespräche zwischen den Branchen — führte Andrea Kleinhuber vom Universitätsklinikum Basel mit einem klugen Titel in den Nachmittag: “Den Fischen das Wasser vermitteln“. Ihr Thema, die ärztliche Organisationsblindheit als besondere Herausforderung für die Führungsentwicklung im Gesundheitswesen, traf einen Nerv — gerade weil das Gesundheits- und Sozialwesen in der Studie am stärksten vertreten war. Ihr Einblick war schonungslos ehrlich. Sie skizzierte eine vorherrschende Kultur bei den „Göttern in weiß“ – und belegte diese mit Zitaten – die Sexismus, Macho-Verhalten und eine gnadenlose Verachtung der Klink-Verwaltung und der ihr zugehörigen Mitarbeitenden zum Inhalt hat. Wenn dann noch eine wankelmütige Geschäftsleitung derartige Verhaltensweisen toleriert, haben es interne Consultants sehr schwer. Wir danken Andrea, dass sie diese wertvolle Einblicke geteilt hat, die alle nachdenklich stimmte.
Den Praxisteil rundeten zwei weitere Einblicke ab: Jan Krause, Chapter Lead Personal- und Organisationsentwicklung bei der Allianz Lebensversicherungs AG, berichtete aus der Beratungsarbeit eines großen Versicherers, und Kirsten Bikowski vom Institut für Medizinische Psychologie der Universitätsklinik Heidelberg ergänzte die Perspektive der akademischen Medizin. Industrie, Kommune, Klinik und Versicherung an einem Tag — anschaulicher lässt sich die Bandbreite interner Beratung kaum erzählen.

Mini Open-Space: Die Tagung denkt weiter
Am Nachmittag wurde aus Zuhören Mitgestalten. Im “Mini Open-Space“ sammelten die Teilnehmenden eigene Themen und vertieften sie in kleinen Gruppen — vom Umgang mit Sparzwängen über den klugen Einsatz von KI-Werkzeugen bis zur Frage, wie sich der Wertbeitrag interner Beratung endlich messbar machen lässt. Hier zeigte sich die DNA der Tagung: keine Einbahnstraße von der Bühne ins Publikum, sondern echter Dialog auf Augenhöhe. Genau diese Haltung — Partizipation, Co-Kreation und eine dialogische Kommunikationskultur — benennt die Studie als einen der wirksamsten Hebel im Umgang mit Krisen und Unsicherheit.
In der Abschlussdiskussion liefen die Fäden zusammen. Die Stimmung war bemerkenswert zuversichtlich: Ja, die interne Beratung steht unter Druck — durch knappere Budgets, schrumpfende Kapazitäten und ein rasant steigendes Tempo. Doch zugleich war im Saal mit Händen zu greifen, wie groß der Gestaltungswille ist. Interne Beratung wird relevanter, digitaler und strategischer; sie baut neue Kompetenzen auf und versteht sich zunehmend als Katalysator organisationalen Lernens. Um 17 Uhr ging ein Tag zu Ende, der mehr Antworten als Fragen mit nach Hause gab — und viele neue Verbindungen knüpfte.
Die Jahrestagung der Inhouse BeraterInnen: Ein Ritual von The School of Change auch in 2027
Dass dieser Tag so dicht, so warmherzig und so anregend wurde, ist kein Zufall. Als Ausrichterin hatte The School of Change ein Format geschaffen, das Wissenschaft und Praxis, Zahlen und Geschichten, Vortrag und Mitmachen verband. Die 2025 von Dr. Hans-Joachim Gergs gegründete Executive Akademie versteht sich als Ort, an dem Veränderungskompetenz für Zukunftsthemen gelernt und gestaltet wird — und genau das war an diesem 29. Juni im Haus am Dom zu spüren.
Volle Reihen, Gäste aus nahezu allen Branchen, aus Luxemburg und der Schweiz, eine druckfrische Studie, starke Praxisstimmen und ein Publikum, das mitdachte statt nur zuzuhören: Die Tagung “Interne Beratung quo vadis?“ war ein echtes Highlight im Programm der The School of Change — und zugleich eine Einladung. Eine Einladung, die Zukunft der internen Beratung gemeinsam weiterzudenken. Denn um es mit der Studie zu sagen: Hoffnung gibt es immer. Und in Frankfurt war an diesem Tag vor allem eines spürbar — Aufbruch.
Sie waren dabei oder hätten gern dabei sein wollen? Teilen Sie Ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Ideen mit uns — die The School of Change freut sich auf den weiteren Dialog.


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